Dr.chem. Marie Regina Meyer

weiblich 1890 - 1944  (54 Jahre)


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  • Name Dr.chem. Marie Regina Meyer 
    Titel Dr.chem. 
    Geboren 5 Mrz 1890  Ludwigshafen, Rheinland-Pfalz, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht weiblich 
    Occupation/Beruf Ludwigshafen, Rheinland-Pfalz, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Chemikerin (BASF Ludwigshafen) 
    Persecution/Verfolgung 6 Sep 1943 Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Verhaftung wegen "Hochverrat" 
    Persecution/Verfolgung von 6 Sep 1943 bis 19 Jan 1944  Frankenthal, Rheinland-Pfalz, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Inhaftierung in der Haftanstalt Frankenthal 
    Persecution/Verfolgung 19 Jan 1944  KZ Auschwitz-Birkenau, Polen Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Deportation von Frankenthal 
    Lebenslauf Marie Regina Meyer wurde am 5. März 1890 in Ludwigshafen als Tochter des Richters Theodor Meyer, der seit 1906 beim Reichsgericht in Leipzig tätig gewesen war, und Hermine, geb. David geboren. Sie war Chemikerin und verheiratet mit Dr. phil. Curt Schuster. Sie hatten die gemeinsame Tochter, Dorothea, verheiratet Gropp.
    Marie Schuster war bei der Badischen Anilin und Soda Fabrik beschäftigt. Das Unternehmen fusionierte später mit der I.G. Ludwigshafen/Oppau. Hier lernte sie auch ihren Ehemann Curt Schuster kennen, der ebenfalls als Chemiker in dem Unternehmen beschäftigt war. Marie hatte das Unternehmen aber bereits 1925 verlassen. Sie und ihr Mann, waren seit 1927 Mitglieder der Demokratischen Partei, später der Staatspartei. Bei den Wahlen zum Reichstag am 5. März 1933 war ihr Mann an erster Stelle der Wahlliste der Staatspartei für die Pfalz genannt. Viele Freunde der Familie Schuster, die jüdischer Abstammung waren, hatten Deutschland bis 1937 verlassen. Andere waren als Quäker religiös orientiert, aus Sicht der Nationalsozialisten folglich Außenseiter, eine Randgruppe. Der Freundeskreis um Curt und Marie Schuster hatte eine jüdischen Familie unterstützt, die sich ihrer Deportation durch Flucht entzogen hatte.
    Einige Zeit war diese jüdische Familie offenbar von Schuster und seinen Freunden versteckt worden. Die Akten der Gestapo weisen nach den Ereignissen um Stalingrad eine deutlich erhöhte Tätigkeit der Geheimen Staatspolizei aus. Das Regime reagierte zunehmend empfindlicher auf jede Form von Opposition. Waren die sogenannten Mischehen aus Sicht der Nationalsozialisten schon immer suspekt, erhöhte sich nun die Überwachung durch die entsprechenden Staatsorgane. Nachdem im April 1943 Freunde von Dr. Schuster verhaftet worden waren, rechnete Familie Schuster auch mit einer möglichen Festnahme. Wie fast immer in jenen Tagen fand sich ein Denunziant, der Anschuldigungen erhob. Im Fall von Familie Schuster war es das Abhören ausländischer Sender.
    Curt Schuster wurde von der Gestapo drei Stunden verhört. Der Vorwurf, ausländische Sender gehört zu haben, konnte nicht entkräftet werden. Nach der Schilderung von Schuster war das Verhör eine Mischung aus Vertraulichkeit und Aggressivität. Curt Schuster war vom 28. Mai bis 10. September 1943 im Amtsgerichtsgefängnis in Ludwigshafen und vom 10. September bis 1. November 1943 in Frankenthal und Zweibrücken in Haft.
    Marie Schuster wurde am 6. September 1943 um 16:30 Uhr im Gefängnis Frankenthal von Ludwigshafen eingeliefert. Ihre Akte trug den Hinweis Marie Schuster Sara. Auch sie musste, obwohl evangelisch, den zwangsweise verliehenen Zusatznamen Sara tragen. Mit diesem Zusatz Sara war das Schicksal von Marie Schuster entschieden. Der Vermerk Untersuchungshaft wurde gestrichen und durch die Anmerkung Polizeihaft Saarbrücken ersetzt. Das Hören fremder Sender wurde zur Nebensache, die jüdische Identität stand im Vordergrund. Während des Bombenangriffes auf Ludwigshafen am 5./6. September 1943 sah sie ihren Mann ein letztes mal, als sich beide unverhofft auf dem Hof des Gefängnisses begegneten. Nach einem Brand waren die Türen der Zellen geöffnet worden, die Häftlinge konnten den Schutzraum im Keller aufsuchen.
    Am 15. Dezember 1943 durfte Dorothea Gropp ihre Mutter ein letztes Mal besuchen. Am 10. Januar 1944 wurde die Leitung der Haftanstalt in Frankenthal von der Gestapo Saarbrücken angewiesen, Marie Schuster mit dem nächsten Gefangenensammeltransport „nach dem Konzentrationslager Auschwitz /O. Schl. zu überführen.“ Die Akte schließt mit dem Hinweis vom 19. Januar 1944, dass Marie Schuster um 9:00 Uhr nach Auschwitz überführt wurde, in Büchern und Listen wurde der Name Marie Schuster am 19. Januar 1944 ausgetragen. Sie hat Auschwitz nicht überlebt. Freunde und Kollegen von Dr. Schuster aus Ludwigshafen hatten versucht, eine Anstellung von Frau Schuster in dem I.G. Werk Auschwitz zu erreichen. Dies war allerdings gescheitert. Solche Vorhaben wurden von Dr. Otto Ambros nicht unterstützt. Im April 1944 wurde Dr. Schuster von seinem Bruder informiert, dass Marie Regina Schuster in Auschwitz gestorben sei. Eine amtliche Sterbeurkunde nennt den 14. März 1944 als Todestag, sie starb im Alter von 54 Jahren, die Ursache seien Phlegmone gewesen. Dr. Schuster ging davon aus, dass an seiner Frau medizinische Versuche unternommen worden waren.
    Curt Schuster war bis zu seiner Befreiung 1945 weiterhin für die I.G. Farben tätig, nun aber als KZ-Häftling und nicht mehr in Ludwigshafen, sondern in den Leunawerken.
    Die Tochter der Familie stand seit der Verhaftung der Eltern allein in Ludwigshafen den Bombenangriffen der Alliierten gegenüber.

    Quellen:
    http://www.tenhumbergreinhard.de/19331945opfer/1933-1945-opfer-s/schuster-marie-regina-geb-meyer.html (10.3.2016); 
    Gestorben 14 Mrz 1944  KZ Auschwitz-Birkenau, Polen Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Notizen 
    • Quellen:
      E-Mail Paul Theobald, 10.3.2016, JMH;
      Stefan Hörner, „Die in Auschwitz sterben mussten, haben andere auf dem
      Gewissen...“ Projektion, Rezeption und Realität der I.G. Farbenindustrie AG. im Nürnberger Prozeß. Inauguraldissertation an der FU Berlin, S. 100f. (http://d-nb.info/1024866416/34);
    Personen-Kennung I26264 
    Zuletzt bearbeitet am 10 Mrz 2016 

    Vater Theodor Ludwig Meyer,   geb. 2 Sep 1853, Edenkoben, Rheinland-Pfalz, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 13 Jul 1936, Leipzig, Sachsen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 82 Jahre) 
    Mutter Hermine Eleonore David,   geb. 15 Jul 1869, Frankenthal, Rheinland-Pfalz, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 18 Jul 1942, Ludwigshafen, Rheinland-Pfalz, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 73 Jahre) 
    Verheiratet 3 Mai 1888  Frankenthal, Rheinland-Pfalz, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Familien-Kennung F2067  Familienblatt

    Familie Carl Eduard Schuster 
    Verheiratet 20 Dez 1924  Mannheim, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Kinder 
     1. Dorothea Schuster
    Zuletzt bearbeitet am 10 Mrz 2016 
    Familien-Kennung F2069  Familienblatt

  • Ereignis-Karte
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    Link zu Google MapsOccupation/Beruf - Chemikerin (BASF Ludwigshafen) - - Ludwigshafen, Rheinland-Pfalz, Deutschland Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsVerheiratet - 20 Dez 1924 - Mannheim, Baden-Württemberg, Deutschland Link zu Google Earth
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