Dr. Oskar (Oscar) Trebitsch

männlich 1886 - 1958  (71 Jahre)


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  • Name Dr. Oskar (Oscar) Trebitsch 
    Titel Dr. 
    Geboren 8 Mai 1886  Praha (Prag), Hlavní mesto Praha, Tschechien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht männlich 
    Education 19 Mai 1911  Wien, Wien, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Promotion zum Dr. jur. 
    Education 20 Dez 1927  Wien, Wien, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Promotion zum Dr. rer.pol. 
    Emigration Jun 1938  Schweiz Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Flucht vor NS-Vefolgung 
    Event Jun 1938  Hohenems, Vorarlberg, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Versteck bei Arthur Neudörfer und Kaplan Fussenegger und Flucht über die Grenze in die Schweiz bei Hohenems 
    Emigration 2 Okt 1940  Sydney, New South Wales, Australien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    über Haifa (Palästina) 
    Occupation/Beruf Praterstraße 22, Wien, Wien, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Rechtsanwalt, Jurist 
    Occupation/Beruf um 1944  Sydney, New South Wales, Australien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Vizepräsident der "Free Austria League Sydney" 
    Residence Wien, Wien, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Lebenslauf Oskar Trebitsch wurde am 8. Mai 1886 in Prag geboren. nach seinem Studium in Wien (Promotion zum Dr. jur. 1911, zum Dr. rer.pol. 1927) arbeitete Oskar Trebitsch als Rechtsanwalt und engagierte sich politisch in der Sozialdemokratie.
    Im Juni 1938 versuchte er zunächst vergeblich bei Lustenau in die Schweiz zu fliehen. Er versteckte sich dann in Hohenems bei Artur Neudörfer, dem Chefarzt des Hohenemser Krankenhauses, und im Ortsteil Emsreutte mit Hilfe von Kaplan Fusenegger. Zwei Wochen später gelingt ihm die Flucht beim Hohenemser Schwimmbad. Über Vermittlung seines Freundes Hans Kelsen wurde ihm von der Berner Regierung politisches Asyl gewährt.
    Trebitsch emigrierte bald darauf weiter über Haifa (Palästina) nach Australien, wo er am 2. Oktober 1940 eintraf.
    Die ersten beiden Jahre in Australien war Trebitsch erwerbslos und meldete sich 1942 in Sydney als Freiwilliger zu Militärdienst für Kanzleiarbeit, wurde aber als dauernd untauglich erklärt nicht angenommen. Anfang der 1940er Jahre war er in Sidney in der "Free Austria League" als Vizepräsident engagiert. In den 1950er-Jahren war er schließlich zeitweise als Buchhalter tätig, bevor er 1958 in Sidney verstarb.

    1956 schrieb Dr. Trebitsch an den Hilfsfonds in Wien: „Nachdem mich die Gestapo am 8. Juni freigelassen hatte […], kehrte ich in meine Wohnung zurück. Durch Universitätsprofessor Dr. Hatschek in Wien VIII erhielt ich Information über eine illegale Grenzübertrittsstelle in Lustenau, Vorarlberg und fuhr dorthin. Als ich mich dort am 11. Juni 1938 bei der mir genannten Vertrauensperson abends meldete, erfuhr ich, dass die Sache aufgeflogen sei. Über Anraten ging ich in das Krankenhaus in Hohenems, wo mich der Primararzt in einer Badewanne übernachten ließ. Als ich früh über seine Wohnung weggehen wollte, kam ‚zufällig‘ der Kaplan Jakob Fussenegger von Hohenems herein. Als ihm mein Name genannt wurde, […] brachte mich dieser junge Priester erst bei einem Bauer Gottfried Fussenegger in der Reutte bei Hohenems unter, wo ich 14 Tage in der Scheune versteckt wurde, während sich der Kaplan vergeblich bemühte einen Weg über die Grenze in die Schweiz für mich zu finden. Als alle Versuche eines illegalen Arrangements durch 14 Tage scheiterten, mußte ich mich entschließen trotz meiner 52 Jahre von der Schwimmschule in Hohenems unbemerkt über den seichten ‚alten Rhein‘ in die Schweiz zu schwimmen. Eine Schwimmhose war alles, was ich aus meinem dankbaren Vaterland mitnahm. Obzwar ich nichts hatte als einen abgelaufenen öst. Pass wurde mir über Vermittlung des Herren Prof. Hans Kelsen, damals an der Universität Genf, meines früheren Lehrers und Freundes, von der Berner Regierung politisches Asyl gewährt. Von der Schweiz ging ich nach den üblichen Abenteuern und Zwischenstationen nach Australien.“
    Quelle: Meldearchiv: ÖStA Hilfsfonds

    Schriften:
    - In Moskau saß der Feind...Zur Krise des demokratischen Sozialismus, 1933
    - „Ghetto Ordnung in der Judenfrage“, in: Klärung in der Judenfrage (zus. Mit Bela Bangha und Paul Kris), - Berichte zur Kultur- und Zeitgeschichte, Wien/Leipzig: Reinhold-Verlag, 1934
    - Rezension von Franz Kobler (Hg.), „Gewalt und Gewaltlosigkeit. Handbuch des Aktiven Pazifismus“, in: Kampf, Sept. 1929, S. 437f.
    - Vereinigung sozialistischer Rechtsanwälte Österreichs (Hg.) Recht und Klassenscheidung. Wien 1923
    - Von alten und neuen Arbeitsmotiven. (= Flugschriften der Sozialpädagogischen Gesellschaft 9) Wien 1925 - Der 15. Juli und seine rechte Lehre, Wien 1927
    - "Enemy Aliens" (letter to the editor), Sidney Morning Herald, 30.12.1940
    - "Austrian Refugees" (letter to the editor), Sidney Morning Herald, 12.4.1941
    - "Immigrants from Europe“ (letter to the editor), Sidney Morning Herald, 29.10.1946


     
    Gestorben 1958  Sydney, New South Wales, Australien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Notizen 
    • Quellen:
      Meldearchiv: ÖStA Hilfsfonds;
      Sauer, Barbara und Ilse Reiter-Zatloukal: Advokaten 1938. Das Schicksal der in den Jahren 1938 bis 1945 verfolgten österreichischen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Herausgegeben vom Verein zur Erforschung der anwaltlichen Berufsgeschichte der zwischen 1938 und 1945 diskreditierten Mitglieder der österreichischen Rechtsanwaltskammern. Wien 2010, S. 346f.
    Personen-Kennung I32659 
    Zuletzt bearbeitet am 26 Apr 2021 

  • Ereignis-Karte
    Link zu Google MapsGeboren - 8 Mai 1886 - Praha (Prag), Hlavní mesto Praha, Tschechien Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsEducation - Promotion zum Dr. jur. - 19 Mai 1911 - Wien, Wien, Österreich Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsEducation - Promotion zum Dr. rer.pol. - 20 Dez 1927 - Wien, Wien, Österreich Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsEmigration - Flucht vor NS-Vefolgung - Jun 1938 - Schweiz Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsEvent - Versteck bei Arthur Neudörfer und Kaplan Fussenegger und Flucht über die Grenze in die Schweiz bei Hohenems - Jun 1938 - Hohenems, Vorarlberg, Österreich Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsEmigration - über Haifa (Palästina) - 2 Okt 1940 - Sydney, New South Wales, Australien Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsOccupation/Beruf - Rechtsanwalt, Jurist - - Praterstraße 22, Wien, Wien, Österreich Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsOccupation/Beruf - Vizepräsident der "Free Austria League Sydney" - um 1944 - Sydney, New South Wales, Australien Link zu Google Earth
    Link zu Google MapsResidence - - Wien, Wien, Österreich Link zu Google Earth
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    Pin-Bedeutungen  : Adresse       : Ortsteil       : Ort       : Region       : (Bundes-)Staat/-Land       : Land       : Nicht festgelegt

  • Dokumente
    Oskar Trebitsch 'Enemy Aliens' (letter to the editor), in:
Sidney Morning Herald, 30.12.1940
    Oskar Trebitsch "Enemy Aliens" (letter to the editor), in: Sidney Morning Herald, 30.12.1940
    Oskar Trebitsch "Enemy Aliens" (letter to the editor), in:
    Sidney Morning Herald, 30.12.1940

    ENEMY ALIENS.
    TO THE EDITOR OF THE HERALD.

    Sir,- In regard to the excellent article of Dr Farnes in the ' Herald ' of December 26 may I be allowed to emphasise that the real destruction of the predominance of democracy started on the Continent on February 12 1934. On this dark day Dollfuss and Prince Starhemberg, who can now pose as a converted fighter for democracy with the forces of de Gaulle, broke down with artillery fire the Austrian workers, in their desperate fight for the defence of the Parliamentarian constitution of our Republic. No arm was raised in the Western Democracies to stop the fight.
    Dollfuss, and later Schuschnigg, made only a weak attempt to combine Fascism with Catholic Conservatism and to reconcile the masses until in the March of 1938 Hitler gathered his hordes on the frontier. Every child in Europe knew that the main condition of an independent Austria, in itself a precondition for the balance of power created after the war was active assistance by France and Britain. One of my most frightlul memories is the day when we got the news that the British Government asked in the House of Commons about the imminent invasion declared not to be in the position to make any statement. All was lost and it is the greatest merit of the Christian martyr Schuschnigg that he avoided ordering the 30 000 Austrians to resist with arms the millions of the
    third Reich.
    We had to leave Vienna, this bastion of a new democracy and an old culture, and with it all that was dear in our life. But the sacrifice imposed on us was a sacrifice of far more. it was the sacrifice of eastern Europe to Hitler. The door to Hungary and Roumania was flung wide open to him and Czecho-Slowakia with her strong army was hopelessly outflanked from the south. We Austrian democrats were not “the guilty men”.
    Now some of us are allowed to end our days as exiles under the flag of the British Empire, the farflung might of which we have trusted so much. But in the meantime we must have patience, because we are treated in this democracy as "enemy aliens" until a judge will be found in Australia to ascertain our personal records, of which we have no cause to be ashamed in a real democracy.
    Your faithful:

    OSKAR TREBITSCH
    Vaucluse Dec 26 Doctor of Law
    Oskar Trebitsch, 'Austrian Refugees' (letter to the editor), in:
Sidney Morning Herald, 12.4.1941
    Oskar Trebitsch, "Austrian Refugees" (letter to the editor), in: Sidney Morning Herald, 12.4.1941
    Oskar Trebitsch, "Austrian Refugees" (letter to the editor), in:
    Sidney Morning Herald, 12.4.1941

    AUSTRIAN REFUGEES.
    TO THE EDITOR OF THE HERALD.
    Sir,--There are only two points of view logically possible concerning the status of refugees from countries "incorporated" by Hitler. The first opinion takes in consideration only political realities when saying: "This is a world-wide fight not only for the maintenance of British might, but also for democracy and the principle of international law that mere force alone can never change the lawful position of a country in International relations. We welcome, therefore, every man, whatever passport he holds, as a friendly alien, if we have made sure by careful investigation that he stood and suffered for democracy in his country.
    There is the Second opinion, prevailing officially hitherto, which says that only the technicalities of international law must decide, and therefore even a men blown half dead by the Nazis and kicked out of his country, because they did not acknowledge him to be a German, must nevertheless be considered to be an enemy alien.
    There will come a day when the British people will decide which of these two opinions was in better accordance with British fairness, and which was wiser politically, while giving a better chance to British propaganda among the nations under Hitler's fist.
    I have ascertained that this Commonwealth never acknowledged the annexation of Austria to Germany de jure –that is, as a factor changing the international position – but only de facto. If gangsters invade a defenseless house, this act of aggression must, of course, be acknowledged as changing the given situation, but no fair man would say that the owner of this hous, when expelled from it, became by this change a member of the invading gang. There can be no doubt that in accordance with international law the status of a person in relation to a third power can by no means be changed by an act of force not acknowledged de jure by this third power.
    The Austrian refugees are not longing for a "Reunion at Vienna" after all that was done by Nazi pressure after the murder and arrest of members of our last Government. But so long as we are not granted Australian citizenship we remain subjects of Austria, one of the countries temporarily occupied by Germany. Ist liberation was explicitly stated as a British war-aim in Mr. Churchill's declaration in the House of Commons on November 9, 1940. We are not German subjects nor enemy aliens because Austria was never at war with his Britannic Majesty.
    It is of course, quite easy and within the power of every State to register us as Germans or as enemy aliens. But this in no way changes our true international position as guaranteed by international right, the defence of which the British Empire is fighting for.

    Yours, etc.
    OSKAR TREBITSCH
    Vaucluse, April 10.
    'Immigrants from Europe“ (letter to the editor), in:
Sidney Morning Herald, 29.10.1946
    "Immigrants from Europe“ (letter to the editor), in: Sidney Morning Herald, 29.10.1946
    "Immigrants from Europe“ (letter to the editor), in:
    Sidney Morning Herald, 29.10.1946

    IMMIGRANTS FROM
    EUROPE

    Asset To Australia

    To the Editor of the "Herald."

    Sir,-I was rather amused at the accusations made against the 200 immigrants from Eastern Europe and the
    Middle East who arrived here on the Strathmore.
    What utterly unworthy types these immigrants must really be as they were rightly blamed by their well-bred fellow passengers with so distasteful crimes as throwing fruit peelings on deck, hanging their washing across the promenades, and their women even wearing peasant type shawls around their heads, arousing the suspicion that they may after all be even peasants.
    Accepting as a fact that all, or at least all native born Australians are well-mannered, cultured, and sober people, should it not be taken in consideration that these immigrants arc coming from war-ravaged countries, degraded by long years of humiliation, hunger, and innumerable sufferings, and that they may, in spite of their bad manners, become in future nevertheless an asset to this empty Continent in so dire a need of hands willing to work?
    Can Australia really hope to get immigrants in sufficient numbers from circles of accomplished ladies and gentlemen of the glamourised "northern type" whose alleged superiority to the Mediterranean type is based on the same unsound basis as the very nearly related "Aryan" myths of the Hitlerites? It was the Mediterranean type who gave mankind its first and greatest geniuses, but I have a certain suspicion that Socrates would also have thrown fruit peelings on deck of a ship and, if not he, Diogenes.
    Australians should really start to face the realities of the vital immigration problem. There is only one alternative before them: Australia will be a melting pot or an empty pot.

    OSCAR TREBITSCH.
    Vaucluse, -




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