Gustav Landauer

Gustav Landauer

männlich 1870 - 1919  (49 Jahre)

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  • Name Gustav Landauer 
    Spitzname Roeschen 
    Geboren 7 Apr 1870  Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht männlich 
    Residence von 17 Mai bis 2 Okt 1895  Ehregutaplatz 1, Bregenz, Vorarlberg, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    als Mieter des Druckers und Verlegers Anton Flatz 
    Residence von um 1889 bis 1918  Berlin, Berlin, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Residence von 16 Okt 1894 bis 29 Dez 1894  Ehregutaplatz 1, Bregenz, Vorarlberg, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Residence 1918  Krumbach, Bayern, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Residence 1919  München, Bayern, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Lebenslauf Gustav Landauer wurde am 7. April 1870 als Sohn des Schuhwarenhändlers Hermann Landauer und seiner Frau Rosa Neuburger in Karlsruhe geboren und besuchte das dortige Bismarck-Gymnasium. Er studierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und der Universität Straßburg Germanistik und Philosophie. In seinen späteren Werken zeigte sich der bleibende Einfluss von Johann Wolfgang von Goethe und Lew Tolstoi sowie eine zunehmend kritische Distanz zu Friedrich Nietzsche. Aber auch der Philosophie Johann Gottlieb Fichtes und Pierre-Joseph Proudhons sowie den anarchistischen Theorien Michail Bakunins und Kropotkins fühlte er sich Zeit seines Lebens verbunden. Bekannt wurde er als Übersetzer von Shakespeare-Texten. Gemeinsam mit seiner zweiten Frau Hedwig Lachmann übertrug er auch Werke von Oscar Wilde, u. a. Das Bildnis des Dorian Gray, ins Deutsche.

    Im Frühjahr 1889 traf er in Berlin erstmals seinen Förderer und späteren langjährigen Freund, den deutsch-jüdischen Schriftsteller und Philosophen Fritz Mauthner. In Berlin trat er im April 1891 der Freien Volksbühne bei und bekannte sich zum Friedrichshagener Dichterkreis. Im Februar 1892 wurde Gustav Landauer Mitglied des Vereins Unabhängiger Sozialisten sowie des Herausgeberkollegiums ihres Presseorgans Der Sozialist, Organ der unabhängigen Sozialisten. In dieser Zeitschrift veröffentlichte er eine Reihe von Artikeln zu Fragen der Kunst, aber auch kritische Anmerkungen zu politischen Themen sowie den ökonomischen Auffassungen von Karl Marx und Eugen Dühring. Im Oktober des gleichen Jahres wurde er gemeinsam mit Freunden aus der Literatengruppe Die Jungen, die häufig auch im Verein Unabhängiger Sozialisten tätig waren, Mitbegründer der Neuen Freien Volksbühne. Im Juli 1893 spaltete sich der Verein Unabhängiger Sozialisten. Als ein führender Vertreter des anarchistischen Flügels des Vereins begann Landauer im Juli desselben Jahres seine Mitarbeit als Herausgeber der Zeitschrift Der Sozialist, dessen letzte Nummer im Januar 1899 erschien.

    Auf dem Internationalen Sozialistischen Arbeiterkongress der II. Internationale in Zürich trat Landauer im August 1893 als Delegierter der Berliner Anarchisten für einen „anarchistischen Sozialismus“ ein. Gegen die anarchistische Minderheit nahm der Kongress, an dem 411 Delegierte aus 20 Ländern teilnahmen, eine Resolution an, die sich für die Teilnahme an Wahlen und die politische Betätigung in den Parlamenten aussprach. Die Anarchisten wurden aus der II. Internationale ausgeschlossen.
    Im Oktober 1893 wurde Landauer erstmals verhaftet und wegen der „Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Staatsgewalt“ zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, die im Dezember auf neun Monate ausgedehnt wurden. Die Haft verbüßte er im Gefängnis von Sorau. Im Oktober 1894 heiratet Gustav Landauer die Schneiderin Margarethe („Grete“) Leuschner, mit der er schon vor seiner Verhaftung zusammenlebte. Die beiden beschließen, sich vorläufig in Bregenz niederzulassen, wo Gustav Landauer sich in der Oberstadt bei Anton Flatz, dem Herausgeber des freisinnigen Bregenzer Tagblatts einmietet. Ende 1894 kehert er mit seiner Frau nach Berlin zurück, die an einer schweren Nierenentzündung erkrankt ist. Im Mai 1895 geht Landauer erneut nach Bregenz, wo er versucht eine aufklärerische Wochenschrift herauszubringen. Schon im Oktober kehrt er erneut nach Berlin zurück, wo er unter sehr bescheidenen materiellen Verhältnissen sein Leben in einem Kreis von Künstlern, Literaten, Theaterleuten und Kritikern fortsetzte. In Berlin gab er unter dem Titel Der Sozialist, Organ für Anarchismus-Sozialismus zwischen 1895 und 1899 erneut eine Zeitschrift heraus.
    1899 traf Landauer erstmals mit seiner späteren zweiten Frau, der 1865 geborenen Lyrikerin und Sprachlehrerin Hedwig Lachmann, zusammen. Im September 1899 entschieden sich beide für einen längeren gemeinsamen Aufenthalt in England, bei dem Landauer ein enges freundschaftliches Verhältnis zu dem russischen Anarchisten Peter Kropotkin aufbaute. Hier wurde auch die gemeinsame Tochter von Lachmann und Landauer, Gudula, geboren. 1902 kehrten beide nach Berlin zurück. 1903 erreichte Gustav Landauer die Scheidung von seiner ersten Frau, um im gleichen Jahr Hedwig Lachmann zu heiraten. 1906 wurde ihre zweite gemeinsame Tochter Brigitte geboren. Während eines Aufenthalts in Ascona im Sommer 1908 verliebte er sich in die Gewerkschafterin Margarethe Faas-Hardegger. Die Begegnung mit den Siedlern des Monte Verità scheint ihn motiviert zu haben, den Gedanken einer anarchistisch-reformistischen Siedlung wieder aufzugreifen und voranzutreiben. 1910 versuchte Landauer zusammen mit dem Anarchosyndikalisten Fritz Köster in Groß Ottersleben die Landarbeiter für die anarchistische Bewegung zu gewinnen. Von 1909 bis 1915 gab er in Berlin die Zeitschrift Der Sozialist heraus, die zum Organ des 1908 von Gustav Landauer gegründeten Sozialistischen Bundes wurde. Zu den ersten Mitgliedern zählten Erich Mühsam, Margarethe Faas-Hardegger und Martin Buber. Als politische Organisation blieb der Bund bedeutungslos.
    In dieser Zeit schrieb Landauer selbst 115 Artikel für die Zeitschrift zu Themen über Kunst, Literatur und Philosophie, aber auch zu Fragen der Tagespolitik. In dieser Zeitschrift veröffentlichte Landauer in größerem Umfang eigene Übersetzungen von Texten des französischen Philosophen und anarchistischen Theoretikers Proudhon. Eine Verschärfung der Zensur führte zur Einstellung der Zeitschrift. Ab 1914 bekämpfte Landauer von anarchistischen und pazifistischen Positionen aus den Ersten Weltkrieg.

    1916 eröffnete Siegfried Lehmann in der heutigen Max-Beer-Straße 5 das Jüdische Volksheim. Landauer gehörte zu den Förderern dieses Projekts, das praktische Sozialarbeit mit der Pflege jüdischer Traditionen verband, und hielt die Eröffnungsrede. Kurz danach veranlasste die zunehmende materielle Not während des Krieges Landauer und seine Familie, Berlin zu verlassen und sich in Krumbach, in der Nähe von Ulm, anzusiedeln. Hier starb Hedwig Lachmann am 21. Februar 1918 an einer Lungenentzündung. Ihr Tod erschütterte Landauer tief. Ende 1918 wurde er Dramaturg am Schauspielhaus Düsseldorf.

    Unmittelbar nach dem Krieg und dem Beginn der Novemberrevolution lud Kurt Eisner Gustav Landauer in einem Brief vom 14. November 1918 zur Teilnahme an der Revolution in Bayern ein: „Was ich von Ihnen möchte, ist, daß Sie durch rednerische Betätigung an der Umbildung der Seelen mitarbeiten.“ Nach der Ermordung Eisners durch den republikfeindlichen und völkisch-rechtsextremen Studenten Anton Graf von Arco auf Valley am 21. Februar 1919 nahmen die Auseinandersetzungen um die Frage eines Rätesystems oder eines parlamentarischen Systems in der neuen bayerischen Republik zu. Als am 7. April 1919 die Münchner Räterepublik gegen die gewählte Regierung des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann (SPD) ausgerufen wurde, erhielt Landauer den Posten des Beauftragten für Volksaufklärung. Seine erste Amtshandlung bestand darin, die Prügelstrafe an bayerischen Schulen abzuschaffen. Die Räteregierung wurde zunächst von unabhängigen Sozialisten und Pazifisten wie Ernst Toller und Silvio Gesell oder Anarchisten wie Erich Mühsam oder Landauer selbst dominiert. Drei Tage nach der Machtübernahme der Räteregierung durch Funktionäre der KPD um Eugen Leviné und Max Levien erklärte Landauer, enttäuscht von deren Politik, am 16. April 1919 seinen Rücktritt von all seinen politischen Funktionen und Ämtern in der Räterepublik.
    Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik durch rechte Freikorpsverbände wurde Landauer am 1. Mai 1919 in dem Haus Eisners in Großhadern verhaftet und zunächst nach Starnberg zum Gruppenkommando West gebracht. Am 2. Mai wurde er von Angehörigen des Freikorps Weilheim gemeinsam mit drei verhafteten Starnberger Arbeiterräten zum Zuchthaus Stadelheim überstellt, wo sich unter anderem Mannschaften der Freikorps Epp, Lützow und Liftl aufhielten. Vor der Einlieferung in das Gefängnis erklärte ihm dort ein Offizier, er würde sofort erschossen. Stattdessen folgten Misshandlungen, unter anderem durch den Gutsbesitzer und Major a. ­D. Freiherr von Gagern. Das Obduktionsprotokoll der exhumierten Leiche Landauers stellte als Todesursache Schüsse in die linke Augenhöhle, die Stirn rechts und in die linke Brust fest. Einer der drei an der Ermordung beteiligten Soldaten war Eugen Dingele. Ihm wurde im März 1920 der Prozess gemacht; er kam mit einer geringen Strafe davon: fünf Wochen Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung und Hehlerei – denn Dingele hatte die Uhr des Getöteten an sich genommen. Auch Freiherr von Gagern kam vor Gericht, das ihn im September 1919 zu einer Geldstrafe von 500 Mark wegen Misshandlung verurteilte.
    Landauer wurde kremiert und fand bis 1923 seinen Ruheplatz in der Urnenhalle des Friedhofs Schwabing. Danach wurde die Urne zum Waldfriedhof in München überführt. Mitglieder der Freien Arbeiter-Union führten eine Geldsammlung durch und setzten Landauer 1925 einen Obelisken als Grabdenkmal. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 beschloss das Münchner Stadtparlament die Zerstörung der Grabdenkmäler marxistischer Revolutionäre. Diesem Beschluss fiel auch das Gustav-Landauer-Denkmal zum Opfer. Der Obelisk wurde zerschlagen und die Urne exhumiert. Landauers sterbliche Überreste ließ man der jüdischen Gemeinde von München zusenden und ihr in zynischer Absicht darüber eine Rechnung ausstellen. Die Urne wurde in einem Gemeinschaftsgrab mit Kurt Eisner auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt. Die heutige Grabstelle auf dem Neuen Israelitischen Friedhof wurde 1946 auf Betreiben der Landauer-Tochter Gudula eingerichtet. Bei dem Grabdenkmal handelt es sich um ein Fragment des von den Nationalsozialisten zerstörten Obelisken.

    Gustav Landauer war der Großvater des US-amerikanischen Filmregisseurs Mike Nichols und laut dessen Erinnerung der beste Freund des Schriftstellers B. Traven.

    Quellen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Landauer (25.5.2019);
    https://www.anarchismus.at/anarchistische-klassiker/gustav-landauer/7017-christoph-knueppel-der-anarchist-gustav-landauer-in-bregenz (25.5.2019) 
    Gestorben 2 Mai 1919  München, Bayern, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Notizen 
    Personen-Kennung I38866 
    Zuletzt bearbeitet am 25 Mai 2019 

    Vater Hermann Landauer,   geb. 21 Sep 1837, Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 9 Feb 1900, Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 62 Jahre) 
    Mutter Rosa (Roese) Neuburger,   geb. 29 Okt 1845,   gest. 17 Dez 1932, Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 87 Jahre) 
    Familien-Kennung F5922  Familienblatt

    Familie 1 Margarethe Leuschner 
    Verheiratet Okt 1894 
    Geschieden 1903 
    Kinder 
    +1. Charlotte Clara Landauer,   geb. 1 Mai 1894, Berlin, Berlin, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 13 Aug 1927, Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 33 Jahre)
     2. Marianne Landauer,   geb. 1896,   gest. 1898  (Alter 2 Jahre)
    Zuletzt bearbeitet am 25 Mai 2019 
    Familien-Kennung F5923  Familienblatt

    Familie 2 Hedwig Lachmann,   geb. 29 Aug 1865, Slupsk (Stolp), Pommern, Polen Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 21 Feb 1918, Krumbach, Bayern, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 52 Jahre) 
    Verheiratet 1903 
    Kinder 
     1. Gudula Landauer,   geb. Aug 1902, Hermsdorf, Berlin, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 30 Okt 1946, New York City, New York, United States (USA) Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter ~ 44 Jahre)
    +2. Brigitte Claudia Landauer,   geb. 4 Okt 1906, Berlin, Berlin, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 10 Jan 1985, Maryland, United States (USA) Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 78 Jahre)
    Zuletzt bearbeitet am 25 Mai 2019 
    Familien-Kennung F5924  Familienblatt

  • Ereignis-Karte
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  • Fotos
    Gustav Landauer, um 1895
    Gustav Landauer, um 1895
    Gustav Landauer, um 1895
    Gustav Landauer, um 1877
    Gustav Landauer, um 1877
    Gustav Landauer, um 1877

    Dokumente
    Gustav Landauer: Aufruf zum Sozialismus
    Gustav Landauer: Aufruf zum Sozialismus
    Gustav landauer: Aufruf zum Sozialismus

    Fotos von Grabsteinen
    Grabmal für Gustav Landauer und Kurt Eisner auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München
    Grabmal für Gustav Landauer und Kurt Eisner auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München
    Grabmal für Gustav Landauer und Kurt Eisner auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München. Der Stein ist ien Fragment des für Gustav Landauer errichteten Obelisken auf dem Münchner Waldfriedhof, der 1933 von den Nationalsozialisten zerstört wurde.



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