Leffmann (Liepmann) Behrens

Leffmann (Liepmann) Behrens

männlich um 1634 - 01 Okt 1714  (~ 80 Jahre)

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  • Name Leffmann (Liepmann) Behrens 
    Geboren um 1634  Bockum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht männlich 
    Lebenslauf Leffmann Behrens (jüdischer Name: Elieser (Ezechiel) Lippmann Cohen, wurde 1634 in Bockum geboren. Er war ein deutscher Hofjude, Hof- und Kammeragent (Bankier) der hannoverschen Welfenherzöge des späten 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Leffmann gelang innerhalb von 30 Jahren der Aufstieg vom Schutzjuden (mit dem Recht für sich, seine Familienmitglieder und Hausbediensteten, in der Calenberger Neustadt zu wohnen) zum „Hof- und Kammeragenten“. Dazu ernannte ihn Kurfürst Georg Ludwig 1698.

    Leffmann Behrens war der Sohn des Kaufmanns Beer Isaac Cohen[1]. Die Familie wanderte aus dem Westfälischen nach Hannover zu. Nach seiner Heirat mit Jente Hameln (1629-1695), der Schwägerin der berühmten Memoirenschreiberin Glikl bas Judah Leib (auch Glückel von Hameln) (1645-1724), Witwe des Kaufmanns Salomon Gans und Tochter des vermögenden Kaufmanns Jobst Goldschmidt, gelang es Leffmann Behrens erfolgreich eine Firma aufzubauen, deren erste Gewinne mit der Vermittlung von Luxusartikeln für Herzog Johann Friedrichs Hof gemacht wurden. Die Firma wuchs weiter – auch unter der Herrschaft von Johann Friedrichs Nachfolgern Ernst August und Georg Ludwig – durch ihre Dienste als Hoflieferant (z.B. von Kutschen), Heereslieferant (Stoffe), bei der Übermittlung von sogenannten Subsidien, den Geldern für die Vermietung von eigenen Truppen an andere Mächte, etwa an das katholische Frankreich (1672-80 und 1690/91), den Kaiser in Wien oder Holland und Großbritannien (ab 1702), bei der Vergabe von Krediten an die Kammerkasse oder die herzogliche Familie, an Hofchargen und Regierungsbeamten. Großkredite von einigen hunderttausend Talern vermittelte Leffmann Behrens bei der Finanzierung der Kurfürstenwürde für Ernst August 1692 und der polnischen Krone für August den Starken 1697 (die wiederum mit dem Erwerb des Herzogtums Lauenburg durch Hannover verbunden war). Nützlich waren dabei seine auswärtigen Geschäftsbeziehungen nach Hamburg (Manoel Texeira, zu den Mussaphias), Frankfurt am Main, Wien (Oppenheimer, Wertheimer), Lippe-Detmold, Schaumburg-Lippe, Braunschweig-Lüneburg, dem Bistum Münster, Mecklenburg-Strelitz, nach Eichstätt, Sachsen-Gotha und Goslar. Leffmann Behrens blieb dabei ein frommer Jude, ohne jeglichen Wunsch, sich in seiner christlichen Umwelt zu assimilieren. Der gesellschaftliche Aufstieg wäre ihm in dieser Zeit ohnehin verwehrt geblieben. Er trat aktiv für seine verfolgten Glaubensgenossen ein, etwa im Falle seines Einsatzes für die Sicherung des Jüdischen Friedhofs an der Oberstraße (1671/73), als Initiator des Landrabbinats (1687) und als Stifter der ersten Synagoge in der Bergstraße (1704), finanziert von seinem Sohn Herz Behrens (1657-1709). Er intervenierte bei seinem Landesherrn auch gegen judenfeindliche Schriften (die von Gulich, 1690, und Eisenmenger, 1700) und war Mitinitiator des berühmten Religionsgesprächs (s. Literatur) mit einem getauften Juden in Hannover im Jahre 1704. Teilnehmer dieses großen Disputs waren der Stadthagener Rabbiner Joseph Samson, der Kurfürst Georg Ludwig, Herzog Georg Wilhelm aus Celle, die Kurfürstin Sophie, deren jüngster Sohn Ernst August d. J., der Loccumer Abt Gerhard Wolter Molanus, Leffmann Behrens selbst, als Zuhörer zahlreiche Hofbeamte und Gelehrte. Er dauerte dreieinhalb Stunden und fand in den Gemächern der Kurfürstenmutter Sophie im Palais in der Leinstraße statt. Schon seit dem Tode von Leffmann Behrens’ Sohn Herz 1709 war die Firma in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auch machte ihr die Konkurrenz des Hofjuden Michael David († 1758), einem ehemaligen Angestellten, zu schaffen, der 1714, nach Behrens’ Tod, zum Hof- und Kammeragenten ernannt wurde. Am 30. Januar 1714 starb Leffmann Behrens, im Juni die Kurfürstin Sophie, und im August bestieg ihr Sohn Georg Ludwig als König Georg I. den britischen Thron.
    Die Weiterführung der Firma Behrens durch Leffmanns Enkel Gumpert und Isaac Behrens († 1765) gelang nur bis zum Jahr 1721, in dem die Firma bankrott ging. Der Konkursverlust betrug 400.000 Taler. Gumpert und Isaac mussten für 5 Jahre ins Gefängnis, danach wurden sie aus dem Kurfürstentum ausgewiesen. Leffmann Behrens’ Wohnhaus, in dem er mehreren Gelehrten freie Unterkunft bot, befand sich in der Langen Straße 8 in der Calenberger Neustadt. Es war ein Fachwerkhaus aus dem Jahre 1674, trug die hebräischen Inschriften „Viel Gutes“ und „Durch diese Tür trete kein Ungemach!“ (vgl. Arnold Nöldeke: Kunstdenkmale, S. 537) und wurde erst im Jahre 1943 durch Bomben zerstört. Henning Rischbieter weist im Hannoverschen Lesebuch (Bd. I, S. 21-26) zu Recht darauf hin, dass Leffmann Behrens im Gegensatz zu seinem zeitweiligen Konkurrenten und Geschäftspartner, dem hannoverschen Frühkapitalisten Johann Duve (1611-1697), dem in Hannover bis ins 20. Jahrhundert hinein die falsche Legende eines wohltätigen Unternehmers gestrickt wurde, völlig unterbewertet wird. Behrens, als Hoffaktor gewissermaßen Duves jüdisches Pendant, ist dagegen sehr wohl als Wohltäter anzusehen, vor allem seiner diskriminierten jüdischen Glaubensgenossen. Jedoch: keine Straßenbenennung, keine Tafel, kein Denkmal erinnert an diese bedeutende jüdische Persönlichkeit der Frühen Neuzeit in Hannover. Immerhin ist sein Grab erhalten: auf dem Alten Jüdischen Friedhof an der Oberstraße (Grab Nr. 159, Abbildung des Grabsteins in Wahl und im Hannoverschen Biographischen Lexikon, S. 45). Das einzige Porträt Leffmann Behrens' von Andreas Scheidt findet sich farbig reproduziert in Louis and Henry Fraenkels Genealogical tables of Jewish families (München 1999 Seite 28).

    Quelle: http://www.geni.com/people/Leffmann-Behrens/6000000005607295709 (Stand: 16.3.2013) 
    Gestorben 01 Okt 1714  Hannover, Niedersachsen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Notizen 
    Personen-Kennung I16171 
    Zuletzt bearbeitet am 16 Mrz 2013 

    Familie 1 Jente Sarah Miriam Goldschmidt,   geb. um 1623, Hildesheim, Niedersachsen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 25 Jul 1695, Hannover, Niedersachsen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter ~ 72 Jahre) 
    Verheiratet 1656 
    Kinder 
    +1. Moses Jacob Leffmann Cohen Behrens,   geb. 1657, Leipzig, Sachsen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 19 Jan 1697, Leipzig, Sachsen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 40 Jahre)
    +2. Gnendel Behrens,   geb. 1658, Hameln, Niedersachsen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 13 Jun 1712, Praha (Prag), Hlavní mesto Praha, Tschechien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 54 Jahre)
     3. Napthali Herz Leffmann Cohen Behrens,   geb. 1663,   gest. 23 Feb 1709, Hannover, Niedersachsen, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 46 Jahre)
    Zuletzt bearbeitet am 16 Mrz 2013 
    Familien-Kennung F33046  Familienblatt

    Familie 2 Elkele Jakob 
    Verheiratet 1707 
    Zuletzt bearbeitet am 16 Mrz 2013 
    Familien-Kennung F33048  Familienblatt

    Familie 3 Feile Dillmann,   gest. 1727 
    Zuletzt bearbeitet am 16 Mrz 2013 
    Familien-Kennung F33049  Familienblatt

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