Lilli (Elisabeth Margaretha) Schreiber

Lilli (Elisabeth Margaretha) Schreiber

weiblich 1874 - 1942  (67 Jahre)

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  • Name Lilli (Elisabeth Margaretha) Schreiber 
    Geboren 23 Sep 1874  Bad Aussee, Steiermark, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Geschlecht weiblich 
    Occupation/Beruf Berlin, Berlin, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Inhaberin der Fa. Wiener Kunstgewerbeatelier L.&R. Baitz 
    Occupation/Beruf Kunstgewerblerin, Unternehmerin  
    Religion 1888  Merano/Meran, Trentino-Alto Adige/Trentino-Südtirol, Italien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Konversion, getauft, römisch-katholisch 
    Lebenslauf Lilli Baitz wurde 1872 als Tochter des jüdischen Arztes Josef Schreiber und der Schriftstellerin Clara Schreiber, geb. Hermann, in Wien geboren. Die Familie lebte in Bad Aussee, wo Josef Schreiber sich als führender Kurarzt etabliert hatte und Clara Schreiber die "Steirische Alpenpost" begründete, sowie in Meran, wo Josef Schreiber ein Sanatorium führte. 1888 ließ die Familie sich in Meran römisch-katholisch taufen.
    Ein sehr enges freundschaftliches Verhältnis bestand zeitlebens zu ihrer älteren Schwester Adele, die nach ihrer Übersiedlung nach Berlin 1897 als Journalistin, Vortragsreisende und Politikerin (ab 1920 für die SPD im Reichstag) für Frauenrechte in der Gesellschaft stritt.

    Ihre Ausbildung erfuhr Lilli Baitz in Mädchen-Pensionaten in Paris und Stuttgart, an verschiedene privaten Kunstschulen in Florenz und München und als Hospitantin an der k. k. Kunstgewerbeschule in Wien in der Fachklasse für Architektur bei Prof. Josef Hoffmann.
    In ihren Jugendjahren knüpfte Lilli Baitz zahlreiche Kontakte im Freundeskreis der Eltern, darunter führende österreichische, liberal gesinnte Künstler und Politiker, die als Kurgäste in den Sanatorien Aussee und Meran verkehrten, so Eduard von Bauernfeld, Ludwig August Frankl, Ritter von Hochwart, Ferdinand Gross und Max Nordau.
    1902 heiratete sie Roman Baitz, mit dem sie nach dem Tod ihrer Eltern vergeblich versuchte, die verschuldeten Sanatorien in Bad Aussee und Meran weiterzuführen. 1910 wird der gesamte Besitz in Bad Aussee und Meran versteigert.
    Schon ein Jahr zuvor zieht Lilli Baitz mit ihrem Mann nach Berlin. Gemeinsam gründen sie die "Wiener Kunstgewerbeateliers „Lilli“, L. & R. Baitz". Zu ihren wichtigsten Kunden gehören große Warenhäuser in Europa und Übersee, die von ihnen hochwertige, sehr kreativ und professionell gestaltete Puppen- und Kulissenarrangements für die Dekoration großer Kaufhausschaufenster und Atrien herstellen lassen. Lilli Baitz ist der künstlerische „Kopf“ des Unternehmens, Roman Baitz kaufmännischer Leiter. 1920 kommt ein österreichischer Standort in Salzburg/Parsch dazu.
    Auch in die USA knüpfen sie gute Geschäftsbeziehungen. Ihre Arbeiten sind auf amerikanischen Messen, wie auf Ozeandampfern präsent.
    Daneben gewinnt die Herstellung von Krippen und Krippenfiguren in Trachten in der Salzburger Zeit an Bedeutung. 1930 stirbt Roman Baitz und Lilli Baitz gibt den Standort in Salzburg auf, übergibt die Geschäftsleitung in Berlin wenig später vertrauten Mitarbeitern und übersiedelt selbst wieder nach Bad Aussee.
    Ihre engste persönliche Freundin war in all diesen Jahren die Ausseerin Paula Schmidl, die in Berlin und Salzburg als Privatsekretärin mit dem Ehepaar Baitz lebte und ab 1932 den Haushalt mit Lilli Baitz in Bad Aussee teilte.
    Dort hatte sich Lilli Baitz ein eigenes Landhaus bauen lassen. Trotz der endgültigen Arisierung des Berliner Ateliers 1938, konnten die führenden Mitarbeiter und Vertrauten Lilli Baitz' (Gudrun Schemell und Paul Friedel) in der Firma weiter arbeiten und Lilli Baitz blieb im Hintergrund weiterhin der kreative Kopf des Unternehmens. Dann entdeckte die „Reichsbahnzentrale für den Deutschen Reiseverkehr“ die Propaganda-Wirksamkeit der Produkte und deklarierte das Atelier als kriegswichtigen Betrieb.

    Ab 1938, nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich, erlebt Lilli Baitz in Bad Aussee die Diskriminierung und Verfolgung der Juden immer stärker am eigenen Leibe. Trotz jahrelanger Anstrengungen und Interventionen durch Paula Schmidl erreicht sie schließlich doch 1942 der Deportationsbefehl. Am 14. August 1942, am Vorabend ihrer Deportation, nimmt Lilli Baitz sich in ihrem Haus in Aussee das Leben.

    Nach dem Krieg kommt es im Jahr 1946 zur Neugründung des Ateliers durch Gudrun Schemell, Paul Friedel und Paula Schmidl. Das „Kunststgewerbeatelier Baitz Nachfolger“, mit Sitz in Bregenz, wird in den 1950er und 1960er Jahren mit der so genannten Baitz-Puppe, einer kleinen Souvenirtrachtenpuppe erfolgreicher denn je und international bekannt, ein österreichischer Markenartikel.
    Die Geschichte von Lilli Baitz bleibt viele Jahre vergessen. Erst drei Ausstellungen in den Jahren 2005, 2009 und 2010 holen ihr Werk - aber auch ihre Lebensgeschichte - schrittweise wieder in die Öffentlichkeit.

    Quellen und Literatur:
    Kurzbiografie von Barbara Motter (http://www.univie.ac.at/biografiA/daten/text/bio/Baitz_Lilli.htm)
    Barbara Motter, "Zwischen Alpenheim und „Sonnenhäusl“. Die ungeschriebene Geschichte von Lilli Baitz", in: Hanno Loewy / Gerhard Milchram (Hg.): Hast Du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte, Ausstellungskatalog, Hohenems 2009; S. 209-S. 217.

    Nachlässe:
    Nachlass Paula Schmidl, Privatbesitz
    Nachlass Gudrun Schemell, Jüdisches Museum Hohenems
    Nachlass der Firmen L. & R. Baitz und L. & R. Baitz Nachfolger, Puppenmuseum Blons


     
    Gestorben 14 Aug 1942  Bad Aussee, Steiermark, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Notizen 
    Personen-Kennung I12561 
    Zuletzt bearbeitet am 19 Jan 2017 

    Vater Josef Schreiber,   geb. 17 Mrz 1835, Brno (Brünn), Jihomoravský kraj (Mähren), Tschechien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 27 Sep 1908, Bad Aussee, Steiermark, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 73 Jahre) 
    Mutter Clara Hermann,   geb. 1848,   gest. 2 Mai 1905, Merano/Meran, Trentino-Alto Adige/Trentino-Südtirol, Italien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 57 Jahre) 
    Familien-Kennung F31659  Familienblatt

    Familie Roman Baitz,   geb. 24 Feb 1887, Rusca Montana (Rußberg), Rumänien Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 20 Aug 1930, Salzburg, Salzburg, Österreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 43 Jahre) 
    Zuletzt bearbeitet am 1 Feb 2012 
    Familien-Kennung F31865  Familienblatt

  • Ereignis-Karte
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  • Fotos
    Lilli Baitz, 1900
    Lilli Baitz, 1900
    Lilli Baitz
    Bad Aussee, 1900
    Lilli Baitz, 1901
    Lilli Baitz, 1901
    Lilli Baitz
    Atelier B. Johannes, Meran, 1901
    Adele Schreiber und Lilli Baitz, 1935
    Adele Schreiber und Lilli Baitz, 1935
    Adele Schreiber und Lilli Baitz
    Bad Aussee, 1935
    Lilli Baitz, 1939
    Lilli Baitz, 1939
    Lilli Baitz vor dem Sonnenhäusl in Bad Aussee, 1939
    (Von links nach rechts: Rosa Schmidl, Paula Schmidl, Gallus Schmidl, Lilli Baitz, Maria Schmidl)
    Lilli Schreiber, 1900
    Lilli Schreiber, 1900
    Lilli Schreiber, 1900




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