Dokumente


Treffer 51 bis 100 von 438     » Übersicht mit Vorschaubildern    » Diaschau

    «Zurück 1 2 3 4 5 6 ... Vorwärts»

   Vorschaubild   Beschreibung   Verknüpft mit 
51
Artikel in der Zeitschrift 'Der Israelit' vom 12. April 1886
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1886
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. April 1886: "Sulzburg in Baden, 9. April (1886). Erew Schabbat HaKodesch Tazria (am Freitag vor dem Schabbat mit der Toralesung Tazria = 3. Mose 12,1 - 13,59; d.i. Freitag, 3. April 1886) fand dahier unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis der im 75. Lebensjahre verstorbenen Frau Beile Kahn - ihre Ruhe sei Wonne - statt. Galt doch diese letzte Ehre einem echt jüdischen Weibe, das mit Israels schönsten Tugenden geschmückt war. Während einer 51-jährigen, musterhaften Ehe durch seltene Frömmigkeit und Wohltätigkeit sich auszeichnend, war es insbesondere ihre beispiellose Selbstlosigkeit und Bescheidenheit, durch welche sie in unserer Zeit des Egoismus und der Überschätzung des eigenen Ichs in ungewöhnlichem Maße hervorragte. Ihr ganzes Leben war der Familie und den Not leidenden und bekümmerten Mitmenschen gewidmet. Ihre Freude suchte sie nicht in weltlichen Vergnügungen, sondern in der Ausübung von Geboten und in ihrem für alles Gute erglühenden Herzen bewahrte sie einen Edelmut, der das widerfahrene Böse stets mit Gutem zu vergelten suchte. Inmitten des Pessacharbeit, die sie trotz der Gebrechen des Alters keinem Anderen überlassen möchte, wurde sie in ein besseres Jenseits abberufen, mit der seltenen Genugtuung, nur Freunde auf Erden zurückgelassen zu haben. Den Gefühlen berechtigter Trauer gaben der hiesige Herr Rabbiner Dreyfuß, sowie ihr aus Wiesbaden herbeigeeilter Sohn, Herr Rabbiner Dr. Kahn, in ergreifenden Worten beredten Ausdruck. Das Andenken der teuren Verschiedenen wird in unserer Gemeinde stets unvergesslich bleiben." 
 
52
Artikel in der Zeitschrift 'Der Israelit' vom 12. Juli 1900
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1900
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juli 1900:
"Sulzburg, 9. Juli (1900). Wenn ein Gerechter stirbt, soll ganz Israel um ihn klagen. Vom Hinscheiden eines Frommen zu berichten, ist darum der Zweck dieser Zeilen. Im Alter von 89 Jahren starb hier am 6. Tamus (3. Juni 1900) Herr Isaak Kahn, der Vater des allverehrten Herrn Rabbiner Dr. Kahn in Wiesbaden. Der Heimgegangene darf, obschon ein einfacher, schlichter Mann, zu den Besten unseres Volkes gezählt werden, weil er die Eigenschaften in sich vereinigte, die den wahren Juden ausmachen. Reine, lautere Furcht des Herrn, aufrichtige Menschenliebe, unermüdlicher Fleiß, verbunden mit der peinlichsten Rechtlichkeit, prägten seinen Charakter und gestalteten seinen ganzen Lebenswandel zu einem leuchtenden Vorbilde für alle, die ihn kannten. Er hatte selbst nicht das Glück, mit dem Studium unserer heiligen Lehre sich beschäftigen zu können, aber mit grenzenloser Liebe hing sein Herz an der Tora und denen, die in ihr forschten. Ein kernhafter jüdischer Mann ist aus unserer Mitte geschieden, erhebend war denn auch die große Beteiligung an seine Lewajo (Beerdigung), die am 8. Tamus (5. Juni 1900) stattfand.
Die vielen Verwandten, die herbeigeeilt waren, und die Mitglieder unserer Gemeinde, wir fühlten es alle, dass wir uns selbst ehrten, indem wir das Andenken dieses Mannes ehrten. Am Sarge sprach zunächst Herr Rabbiner Bamberger aus Sennheim, der als früherer Stiftsrabbiner hier den Verstorbenen kennen und schätzen gelernt hatte und durch Verwandtschaftsbande Herrn Rabbiner Dr. Kahn nahe steht. Ein Schüler Ahrons, nannte der Redner den Heimgegangenen, der den Frieden liebte, aber nur den Frieden, der auf Wahrheit und Pflicht aufgebaut ist, der für diesen Frieden kämpfte und seine ganze Kraft einsetzte, der die Menschen liebte und durch sein harmonisches Leben für die Tora gewann.
Tief erschüttert weihte Herr Rabbiner Dr. Kahn seinem Vater letzte Worte des Abschiedes. Wie die Himmelskörper treu und nie weichend ihre Bahn wandeln und freudig die Gesetze erfüllen, die der Allmächtige ihnen vorgezeichnet, so wich der teure Heimgegangene nie von dem Posten, den ihm sein Schöpfer angewiesen. Weder der garte Kampf ums Dasein, noch die Verlockungen des modernen Abfalles mit seinen glatten, gleisnerischen Worten, konnten ihn je in seiner Pflicht irre machen. Als sein Lebensziel betrachtete er aber, seine Kinder zu Juden zu erziehen und darum verdanke auch er (der Redner) seinem Vater, der aufopferungsvoll für ihn gesorgt, das Glück, den Lehrern in Israel anzugehören.
Die goldenen, lauteren Eigenschaften des Entschlafenen hob auch Herr Rabbiner Dr. Bamberger aus Sulz u. Wald, der Schwiegersohn des Herr Rabbiner Dr. Kahn, in seinem Nachrufe hervor, der den Verblichenen jenen Vätern großer Männer, Amram und Isai, zur Seite stellte, die, wie es im Talmud heißt, so rein und fleckenlos ihre Seele bewahrten, dass sie würdig gewesen, ewig zu leben, und nur darum starben, weil einmal das Erbteil der Menschheit der Tod ist. Seine treue Pflichterfüllung hat auch ihn die Krone des Greisenalters erringen lassen, wie R. Jochanan von den Greisen Babels gestand, dass ihr inniges, gemeinsames Gebet ihnen das Leben verlängert.
Möge es uns beschieden sein, die Lücke, die sein Tod gerissen, durch würdigen Ersatz auszufüllen, seine Seele aber weile im Bunde des Lebens! Amen. S.B."  
 
53
Artikel in der Zeitschrift 'Der Israelit' vom 2.1.1890
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2.1.1890
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2.1.1890:
"Oberdorf bei Bopfingen. Nachdem vor etwa 7 Jahren die Chewra HaSchas (Toraverein) und die Chewrat Bikkur Cholim (Krankenbesuchsverein) ihre 100jährige Jubelfeier abgehalten hatten, beging die 3. der hier bestehenden religiösen Bruderschaften Chewrat Heneorim das Fest ihres 100jährigen Bandes durch eine feierliche Seuda am Abend Chanukkat Hamisbeach. Einer gelungen Ansprache des Gabbai, Herrn H.L. Rosenberger folgten Reden des Herrn Rabbiner Grün, sowie noch weitere Toaste. Von den bei dem Mischberach in die Kasse der Chewra gegebenen Spenden wurden laut einstimmigen Beschlusses der Mitglieder ein Betrag von – 30 Mark – für die Kranken in der Heiligen Stadt Jerusalem gewidmet und so in würdiger Art das Wort der Heiligen Schrift in Erfüllung gebracht: '(Kleben soll meine Zunge mir am Gaumen, so ich dein nicht gedenke,) so ich nicht erhebe Jerusalem auf den Gipfel meiner Freude' (Psalm 137,6)" 
 
54
Artikel in der Zeitschrift 'Der Israelit' vom 22.8.1892
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22.8.1892
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22.8.1892:
"Wiesbaden. Ein Herr Dr. Grün, angeblich Rabbiner von Oberdorf, spielte sich hier in Wiesbaden als streng orthodox auf und benützte die dortigen Frommen soweit als möglich. Nachdem er indessen dieselben ‚abgeklopft’ hatte, hielt er öffentliche Vorträge ‚man möge die unzeitgemäße Trauer um die Zerstörung Jerusalems aufgeben und sich möglichst mit dem Christentume amalgamieren’. Wir würden es nicht der Mühe wert gehalten haben, hiervon etwas zu erwähnen, denn diese Vorträge waren ein Sammelsurium von neologen Trivialitäten und reformistischen Gemeinplätzen, indessen will, wie wir hören, Herr Dr. Grün an anderen Orten dieses sonderbare Treiben fortsetzen und sei deshalb hiermit vor ihm gewarnt."  
 
55
Ausschreibung der vakanten Lehrerstelle in Hohenems
Ausschreibung der vakanten Lehrerstelle in Hohenems
Ausschreibung der vakanten Lehrerstelle in Hohenems
Allgemeine Zeitung des Judentums 25.Jg Nr. 47, 12.11.1861 
 
56
Auszug aus dem Beschneidungsregister, 1844
Auszug aus dem Beschneidungsregister, 1844
Auszug aus dem Beschneidungsregister, 1844 
 
57
Mindestens eine lebende Person ist mit diesem Foto verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt.
 
 
58
Begräbnis der Märzgefallenen, Wien, 17. März 1848
Begräbnis der Märzgefallenen, Wien, 17. März 1848
Begräbnis der Märzgefallenen, Wien, 17. März 1848
Salmomon Sulzer und Isaak Noah Mannheimer nehmen als jüdische Geistliche, gemeinsam mit einem katholischen Priester und einem protestantischen Pfarrer an dem Begräbnis auf dem Schmelzer Friedhof in Wien teil. 
 
59
Bekanntmachung der Namensänderung von Josef Löwenberg, Januar 1814
Bekanntmachung der Namensänderung von Josef Löwenberg, Januar 1814
Bekanntmachung der Namensänderung von Josef Löwenberg, Januar 1814 
 
60
Bekanntmachung vom 14.12.1827 im 'Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis', 1827, S. 749
Bekanntmachung vom 14.12.1827 im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis", 1827, S. 749
Bekanntmachung vom 14.12.1827 im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis", 1827, S. 749
Heinrich Rosenthal hat den Verlust seines Reisepasses bekanntgegeben. 
 
61
Bekleidungshaus Kühne
Bekleidungshaus Kühne
Das Bekleidungshaus Kühne von Ephraim und Mia Dimand
Adamgasse 9, Innsbruck
Rechte: Stadtrachiv Innsbruck 
 
62
Bericht in 'Momento Sera', 6.3.1970
Bericht in "Momento Sera", 6.3.1970
Hinweis auf Ausstellung Ilse Bernheimer im Österreichischen Kulturinstitut,
"Momento Sera", 6.3.1970  
 
63
Bericht in der Zeitschrift 'Der Israelit', 24.4.1893
2. Teil
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit", 24.4.1893 2. Teil
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit", 24.4.1893
2. Teil 
 
64
Bericht in der Zeitschrift 'Der Israelit', 24.4.1893
3. Teil
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit", 24.4.1893 3. Teil
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit", 24.4.1893
3. Teil 
 
65
Bericht in der Zeitschrift 'Der Israelit', 24.4.1893
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit", 24.4.1893
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit", 24.4.1893

"Die neueste cause célèbre innerhalb des württembergischen Rabbinerstandes knüpft sich an den kürzlich abgesetzten Rabbiner Grün, der das Rabbinat zu Oberdorf im Ries inne hatte. Man muss es zur Entschuldigung unserer Oberkirchenbehörde einräumen, dass es für sie keine leichte Aufgabe ist, Kandidaten ihrer abgewirtschafteten Reformreligion zu finden, die noch so weit Juden sind, als es gerade zum Rabbinergeschäft notwendig erforderlich ist, sondern aber mit dem Christentum, Freidenkertum und allen möglichen andere -tümern kokettieren und liebäugeln. Das Reformjudentum ist so im Niedergang begriffen, dass die Rabbiner, welche ihm aus Bequemlichkeit oder aus Überzeugung noch zugetan sind, sich nicht einmal mehr Reformrabbiner nennen. Der Titel, auf den seine Träger vor 20-30 Jahren noch so stolz waren, ist so stark in Misskredit gekommen, dass man ihn sorgfältig verleugnet und man daher den Vogel nur an seinen Federn, oft nur an seinem Nest erkennen kann. Ein solches Nest ist Hohenems im Vorarlberg (Tirol), das schon seit langer Zeit als Domäne des radikalsten Reform, männiglich bekannt ist. Wenn man daher von einem Rabbiner weiter nichts weiß, als dass er in Hohenems amtiert, so setzt unserer Oberkirchenbehörde nicht mit Unrecht voraus, der Mann müsse für Württemberg reif sein und beruft ihn. Sie würde vielleicht noch lieber einen Prediger der Berliner Reform, der Posener Brüdergemeinde oder des Hamburger Tempelvereins berufen, aber die Innehaber jener Pfründen gehen natürlich nicht aus purer Liebe für unseren Oberkirchenrat nach Oberdorf im Ries. Sie hat also Herrn Rabbiner Grün von Hohenems berufen. Derselbe zeigte sich nicht nur reif, sondern sogar überreif und fiel ab, respektive wurde abgefallen. Warum? Darüber sind die Gelehrten nicht ganz einig. Der abgesetzte Rabbiner Grün gibt an, seine Absetzung sei die Folge einer Predigt, welche die Abschaffung der Gebete um Rückkehr nach Palästina zum Gegenstand hatte.
Nach einer öffentlichen Erklärung des Kirchenvorsteheramts Oberdorf-Bopfingen ist die Suspendierung Grüns laut Erlasses der Königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde Nr. 242 vom 20. Juni 1892 ‚auf Grund eines vom Distriktsarzt Dr. Krämer in Bopfingen abgegebenen Gutachtens’ erfolgt. Man wäre durch diese Mitteilung nicht viel klüger als ohne dieselbe, wenn Herr Rabbiner sein unfreiwillige Muße nicht neuerdings dazu benutzt hätte, ohne es zu wollen, dieses Dunkel aufzuhellen. Herr Rabbiner Grün hat sich nämlich für die Dauer seiner Suspendierung in Stuttgart niedergelassen und hält daselbst Vorträge. Man braucht nur die marktschreierische Ankündigung dieser Vorträge und ihrer konfusen Titel zu lesen, um sofort zu begreifen, in welcher Richtung sich das ärztliche Gutachten bewegt, auf Grund dessen er seines Amtes enthoben ist. Zum Ergötzen der Leser möge hier eine solche Ankündigung folgen: ‚Theosophische Vorträge des Rabbiners Grün am 21., 27. und 29. März, 8 Uhr abends im Konzertsaal der Liederhall. 1. Die Posaune des Weltgerichts. Oder: Was hindert die Juden, sich zum Evangelium zu bekennen? Allgemeine religiöse Erweckung und Widerlegung des Antisemitismus. 2. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Oder: Ist das heutige Judentum eine Nation oder Konfession? Ein Mahn- und Weckruf an Israel. 3. Das Bessere ist der Feind des Guten. Oder. Wie kann Israel aus seiner Erniedrigung sich erneuern? Anregung zur Gründung eines interkonfessionellen Friedensbundes. Eintritt frei für jedermann, doch sind freiwillige Beiträge zur Deckung der Kosten willkommen.’
Die alten bekannten der Herrn Grün, die ihn von seinen Wanderungen in verschiedenen Kurorten kennen und sich dessen Sammelfleißes und des einnehmenden Wesens erinnern, das derselbe bei allen Tischgesellschaften zu entfalten pflegte, erkennen in den letzten Worten, in welche diese Ankündigung ausklingt, sofort ihren Pappenheimer wieder. Hier ist wohl auch die eigentliche Tendenz der Vorträge zu suchen und weniger in der Nachahmung Schrempfs, wie Herr Rabbiner Grün vorgibt (Anmerkung: Schrempf ist ein entlassener Pfarrer, der an der Spitze einer Bewegung steht, die gegenwärtig durch die evangelische Kirche Württembergs geht. Red.). Herr Grün und Herr Schrempf unterscheiden sich wesentlich dadurch, dass letzterer nicht auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses entlassen wurde! Das, was diese Vorträge Gereimtes und Ungereimtes enthalten, interessiert uns hier wenig. Wie sich erwarten ließ, liefern dieselben Wasser auf die antisemitischen Mühlen, und deren Inhaber werden wenigstens ihre Freude an diesem saftigen Bissen haben. Die vernünftigen Leite betrachten die Expectorationen dieses depossedierten Kirchenlichts unter dem Gesichtswinkel des ärztlichen Zeugnisses und sehen mit verschränkten Armen dem Skandal zu, wie da wieder ein württembergischer Rabbiner in das Lager übergeht, in welchem sich Stern – Buttenhausen unseligen Andenkens seine Lorbeeren geholt hat. Für das öffentliche Ärgernis, welches dieses ganze Gebaren bedeutet, kann man weniger Herrn Grün verantwortlich machen, als unsere Israelitische Oberkirchenbehörde, deren offenkundigen Missgriffen wir ausschließlich diese und ähnliche Bescherungen zu verdanken haben. Dieselbe ist gegenwärtig wieder in der Lage, die Wahl eines ersten Rabbiners für Stuttgart vorzunehmen. Es gibt noch sanguinische Optimisten bei uns, welche sich von dieser Wahl eine Wendung zum Besseren versprechen. Wir gehören nicht dazu. Wie die Dinge bei uns liegen, lässt sich auf diesem Wege kein Heil erwarten. Bei diesem Staatsjudentum, wie es bei uns en vogue ist, ist nichts zu hoffen. Unsere Zustände sind so faul und verrottet, dass kein halbwegs gewissenhafter Mann auch nur eine solche Stelle annehmen kann, deren Annahme schon die Anerkennung des religiösen Verfalls und Lichtsinns aller Gemeindeinstitutionen bedeuten würde. Was uns allein helfen könnte, wäre ein mannhaftes Erheben aller gutgesinnten Kreise, um mit diesem verrotteten Schlendrian zu brechen, sich unabhängig von diesem durch und durch faulen Salon-Judentum zu machen und sich selbständig zu konstituieren nach dem Vorgang der Religionsgesellschaften in Preußen, Baden und Hessen, wo ja auch die staatliche Legislatur diese Bestrebungen unterstütze. Nur so wird neues Leben aus den Ruinen erblühen. – Diese Zeit liegt heute für diese Bestrebungen günstiger wie damals, als Gabiah ben Pesisa gegen die hierarchischen Übergriffe des Oberkirchenrats Maier auftrat. Ein einziger energischer Mann würde genügen, um eine solche Bewegung einzuleiten und sie mit Gottes und treuer Gesinnungsgenossen Hilfe durchzuführen. Sollte er sich wirklich nicht finden? – Dann geht die württembergische Judenheit wirklich trüben, verhängnisvollen Zeiten entgegen." 
 
66
Bericht in der Zeitung 'Der Israelit', 2.11.1870
Bericht in der Zeitung "Der Israelit", 2.11.1870
Bericht in der Zeitung "Der Israelit", 2.11.1870 
 
67
Bericht über den Tod von Isaac Guggenheim, Oktober 1922
Bericht über den Tod von Isaac Guggenheim, Oktober 1922
Bericht über den Tod von Isaac Guggenheim, Oktober 1922 
 
68
Bericht über die Tätigkeit der Karolinen-Stiftung
Bericht über die Tätigkeit der Karolinen-Stiftung
Bericht über die Tätigkeit der Karolinen-Stiftung,
in: Der Israelit, 18.11.1868 
 
69
Besuch von Erzherzog Eugen in Hohenems
Artikel in der Zeitschrift 'Der Israelit' vom 4. Oktober 1900
Besuch von Erzherzog Eugen in Hohenems Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Oktober 1900
"Hohenems, Vorarlberg. (Erzherzog Eugen in einer Synagoge). Es wird uns berichtet: Es war eine hohe Auszeichnung, die der hiesigen sehr alten Israelitengemeinde, der einzigen in Tirol und Vorarlberg, am 20. vorigen Monats zuteil ward. Seine königliche Hoheit, Erzherzog Eugen, der neu ernannte Corpskommandant in Innsbruck, der während mehrerer Stunden hier weilte, zeichnete zunächst die ihm vorgestellte Deputation der Israelitengemeinde, bestehend aus dem Rabbiner Dr. Tänzer und den beiden Vorstehern, Michael Menz und Ivan Rosenthal, durch huldvolle Ansprache aus, wobei er sich des Näheren nach den Verhältnissen der Gemeinde erkundigte und den Besuch der imposanten, alten Synagoge in Aussicht stellte. Nach Besichtigung der hiesigen Pfarrkirche fuhr denn auch Seine königliche Hoheit in Begleitung seines Adjutanten, des Greisgerichtspräsidenten von Larchen, des k.k. Bezirkshauptmannes von Ziegau, des hiesigen Bürgermeisters und Gemeinderates vor der Synagoge vor. An deren Eingang vom Rabbiner mit begeisterten Worten begrüßt, dankte der Erzherzog zunächst für den Empfang und unterzog sodann unter Führung des Rabbiners das schöne, große Gotteshaus einer eingehenden Besichtigung. Lebhaftes Interesse brachte der hohe Besucher den jüdischen Kultuseinrichtungen entgegen, von denen ihm einzelne bereits bekannt waren. Der Rabbiner öffnete vor ihm das Allerheiligste, entrollte eine Torarolle, wobei sich der Erzherzog Einiges über die Schriftzeichen und die Lesart erklären ließ. Ebenso ließ sich der Erzherzog einen so genannten ‚Schofar’ bringen und verlangte die Erklärung, warum dies eben ein Widderhorn sein müsse. Auf die Erzählung des Rabbiners war dem Erzherzog die biblische Erzählung von der Opferung Isaaks sofort in Erinnerung. Mit Interesse vernahm der hohe Gast auch die historischen Erörterungen des Rabbiners über die Deckengemälde in der Synagoge, ein Geschenk des ersten in der ehemaligen Reichsgrafschaft Hohenems amtierenden österreichischen Amtmannes. Die Mitteilung, dass der Rabbiner in einigen Monaten eine Geschichte der dortigen Israelitengemeinde veröffentlichen werde, bereitete dem Erzherzog Befriedigung. Mit sehr schmeichelhaften Dankesworten für die gehaltvollen Erklärungen des Rabbiners Dr. Tänzer schied der Erzherzog nach längerem Verweilen sichtlich befriedigt aus der Synagoge. Zur Mittagstafel im ‚Hotel Post’ dahier ward auch der Kultusvorsteher, Herr Michael Menz, zugezogen." 
 
70
Beurteilung der Dissertation von Otto Kurz
Beurteilung der Dissertation von Otto Kurz
Beurteilung der Dissertation von Otto Kurz, Seite 1,
Universität Wien, 1931 
 
71
Beurteilung der Dissertation von Otto Kurz, Seite 2
Beurteilung der Dissertation von Otto Kurz, Seite 2
Beurteilung der Dissertation von Otto Kurz, Seite 2,
Universität Wien, 1931 
 
72
Bookplate (Exlibris) von Arnold William Brunner
Bookplate (Exlibris) von Arnold William Brunner
Bookplate (Exlibris) von Arnold William Brunner 
 
73
Brief von Wilhelmine Löwenberg, 1819
Brief von Wilhelmine Löwenberg, 1819
Brief von Wilhelmine Löwenberg an ihre Eltern in Hohenems, München 13. März 1819
"Liebe Mutter!
der liebe Vater überreichte mir bei seiner Ankunft hier ihr schätzbares Briefchen vom 6. des Monats, das mich über ihr Wohlsein beruhigt, Mein gleiches habe ich die Ehre ihnen von mir versichern zu können. Das Kleid, welches sie mir zu schicken die Güte hatten, ist sehr schön und ich danke ihnen dafür verbindlichst. Der Purim ist mir hier zwar still, ohne Ball, aber doch recht angenehm verstrichen. Mir waren bei den Herren Gebrüder Wertheim bis spät in die Nacht recht vergnügt beisammen.
Liebe Mutter, ihr Wunsch mich bald zu sehen, ist sehr schmeichelhaft für mich, aber ich versichere sie, das auch ich mir nichts entzückender denken kann, als wenn mir die Freude gegönnt wäre, sie beste Mutter umarmen zu können. Indes ist mir hiesiger Aufenthalt von meinen teuren Eltern zu meinem Wohle angewiesen, und in der Erfüllung ihres guten Willens besteht das Glück und die Freude ihrer dankbaren treuen Tochter Wilhelmine Löwenberg.
Liebe Geschwister! ich grüße euch mit aller Herzlichkait einer treuen Schwester und den heißesten Wünschen für euer Wohlsein. Dir lieber Eduart bekenne ich den aufrichtigsten Dank für das überschickte Kleinod. O, du herzensguter Bruder! Du trennest dich von deinem Lieblingsspielzeug um mir Beweise deiner Zärtlichkeit zu geben. Ich weiß es zu schätzen und verbleibe mit reinster Liebe eure treue Schwester."
 
 
74
Daniel Ehrmann, Betrachtungen über Jüdische Verhältnisse
Daniel Ehrmann, Betrachtungen über Jüdische Verhältnisse
Daniel Ehrmann, Betrachtungen über Jüdische Verhältnisse,
Pest 1841 
 
75
Daniel Ehrmann: Beiträge zu einer Geschichte der Cultur und der Schulen unter den Juden. Von der Rückkehr aus dem babylonischen Exil bis zum Schlusse des Talmuds, Prag 1846
Daniel Ehrmann: Beiträge zu einer Geschichte der Cultur und der Schulen unter den Juden. Von der Rückkehr aus dem babylonischen Exil bis zum Schlusse des Talmuds, Prag 1846
Daniel Ehrmann: Beiträge zu einer Geschichte der Cultur und der Schulen unter den Juden. Von der Rückkehr aus dem babylonischen Exil bis zum Schlusse des Talmuds, Prag 1846 
 
76
Darstellung der 'Afrikanischen Thier-Expedition', 
in: Die Gartenlaube, 1876, 844
Darstellung der "Afrikanischen Thier-Expedition", in: Die Gartenlaube, 1876, 844
Darstellung der "Afrikanischen Thier-Expedition",
in: Die Gartenlaube, 1876, 844.
Sie stellt vermutlich den Beginn von Hagenbecks "Nubischer Thier-Karawane" dar, für die Bernhard Kohn als Einkäufer und Organisator fungierte. Ob Bernhard Kohn in diesem Bild selbst dargestellt sein soll, ist nicht bekannt. 
 
77
Denkschrift, 14.8.1918
Denkschrift, 14.8.1918
Denkschrift, der Turmurkunde der Synagoge beigegeben,
14. März 1918
"Denkschrift
Der grausame Krieg, der seit dem Jahre 1914 in Europa wütet, veranlasst uns, das Kupfer auf dem Synagogenturm dem Vaterland zur Verfügung zu stellen und den Turm mit Blech decken zu lassen.
Bei dieser Gelegenheit entrollen wir die Urkunden der historischen Blechbüchse und blicken mit Wehmut auf unsere zusammengeschmolzene Gemeinde, die früher so zahlreich und großartig dastand.
Seit dem Jahre 1886 sind die Kultusvorsteher Hermann Hirsch, Michael Menz und Anton Rosenthal gestorben. Momentan stehen wir ohne Rabbiner und machen im Namen Gottes weiter, bis der ersehnte Friede einkehrt. Der Bestand unserer Kultusgemeinde hängt davon ab, ob einige jüdische Familien in Hohenems sich ansiedeln und im jüdischen Geiste leben wollen. Ist dies nicht der Fall, dann steht uns die Verschmelzung mit einer anderen Gemeinde oder die Auflösung bevor.
Hohenems, 14. März 1918
Theodor Elkan, Ivan Rosenthal" 
 
78
Dépeches, Circulaires, Décrets, Proclamations et Discours de Léon Gambetta. Hg. von Joseph Reinach, Paris 1886
Dépeches, Circulaires, Décrets, Proclamations et Discours de Léon Gambetta. Hg. von Joseph Reinach, Paris 1886
Dépeches, Circulaires, Décrets, Proclamations et Discours de Léon Gambetta. Hg. von Joseph Reinach, Paris 1886 
 
79
Die Fabriken der Fa. Rosenthal
Die Fabriken der Fa. Rosenthal
Die Fabriken der Fa. Rosenthal
um 1900 
 
80
Die Likörfabrik Alois Hermann
Die Likörfabrik Alois Hermann
Die Likörfabrik von Alois Hermann
Leopoldstraße 28, Innsbruck
Nach den Ausschreitungen gegen Jüdische Geschäfte, Ostern 1938
Rechte: Stadtarchiv Innsbruck 
 
81
Dienstbüchlein von Adolf Burgauer
Dienstbüchlein von Adolf Burgauer
Dienstbüchlein von Adolf Burgauer 
 
82
Dissertation von Lippa Goldstern
Dissertation von Lippa Goldstern
Dissertation von Lippa Goldstern:
Über einige neue rein aromatische Aether und substituirte Phenole, welche bei der Einwirkung von Phenol auf die entsprechenden Diazoverbindungen erhalten wurden.
Karlsruhe 1892 
 
83
Draft Card 1.WW. Erwin Kahn 1918.
Draft Card 1.WW. Erwin Kahn 1918.
 
 
84
Draft paper Siegumd Mendelsohn
Draft paper Siegumd Mendelsohn
 
 
85
Druck: 'At Achors', nach 1945
Druck: "At Achors", nach 1945
Iles Bernheimer
"At Achors", Print, nach 1945
Sammlung des Ghetto Fighter's House, Israel 
 
86
Education of an American Liberal
Education of an American Liberal
Education of an American Liberal 
 
87
Mindestens eine lebende Person ist mit diesem Foto verknüpft - Details werden aus Datenschutzgründen nicht angezeigt.
 
 
88
Einbürgerungsurkunde von Ernst Leopold Lowengard
Einbürgerungsurkunde von Ernst Leopold Lowengard
 
 
89
Einladung zum Vortrag von Aron Tänzer, 22. August 1903
Einladung zum Vortrag von Aron Tänzer, 22. August 1903
Einladung des Werkmeister und Industriebeamten-Vereins Hohenems zum Vortrag von Aron Tänzer: "Leben und Wissenschaft" am 22. August 1903 
 
90
Eintrag für Arnold Brunner
Eintrag für Arnold Brunner
Eintrag für Arnold Brunner, in:
Otto Spengler: Das deutsche Element der Stadt New York; biographisches Jahrbuch der Deutsch-Amerikaner New Yorks und Umgebung, New York 1913 
 
91
Eintrag ins Geburtsregister (Civil Registration) für Alice Clermont, 16.8.1894
Eintrag ins Geburtsregister (Civil Registration) für Alice Clermont, 16.8.1894
Eintrag ins Geburtsregister (Civil Registration) für Alice Clermont, 16.8.1894 
 
92
Eintrag von Sigmund Hohenemser in ein Poesiealbum in Oberdorf im Ries, 1888
Eintrag von Sigmund Hohenemser in ein Poesiealbum in Oberdorf im Ries, 1888
Eintrag von Sigmund Hohenemser in ein Poesiealbum in Oberdorf im Ries
"Jedem Blättchen..., jedem Vöglein..., jeder Welle.... sag ich's, dass mein Herz Dir ewig lebt.
Dies zur freundlichen Erinnerung von Ihren Freund S. Hohenemser
aus Haigerloch Hohenzollern. Oberdorf 1. Nov. 1888" 
 
93
Eintrag zur Nachlassmasse des Samuel Joseph
Eintrag zur Nachlassmasse des Samuel Joseph
Eintrag zur Nachlassmasse des Samuel Joseph, 1857,
Geschäftsbuch Albert Hirschfeld (1819-1859) 
 
94
Einweihung der Synagoge St. Gallen,
Bericht in der Zeitschrift 'Der Israelit', 5. Oktober 1881)
Einweihung der Synagoge St. Gallen, Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit", 5. Oktober 1881)
"St. Gallen, 23. September (1881). Verflossenen Mittwoch fand die Einweihung der hiesigen, neuerbauten Synagoge statt. Herr Rabbiner Dr. Engelbert hielt die Festrede und fand nicht nur bei den jüdischen, sondern auch bei den zahlreich erschienenen nicht-israelitischen Zuhörern, großen Beifall. Am Schlusse der Feier fand eine Kollekte zum Besten der Unglücklichen von Elm statt, welche die erkleckliche Summe von 1.265 Franken ergab.
’Die hiesige israelitische Gemeinde,’ schreibt das Tagblatt von St. Gallen, ‚hat hierdurch ein Zeugnis davon abgelegt, dass sie weitherzig und opferfreudig ihrer christlichen Brüder gedenkt und die Lehren ihrer Religion in einer Weise ins praktische Leben überträgt, die auch den Bekennern des christlichen Glaubens ungeteilte Sympathie abringen muss.
Am Abend desselben Tages wurden bei einem Bankette gar sonderbare Toaste ausgebracht. Herr Rabbiner Dr. Kisch aus Zürich erwarb sich die Sympathien seiner nichtjüdischen Hörer durch begeistert Worte über den Stifter der christlichen Religion. Wir wollen hier nicht wiederholen, was Herr Kisch nach dem Berichte des Tagblatts von St. Gallen alles gesagt haben soll; nur das wollen wir hervorheben, dass der Berichterstatter des genannten Blattes sich unwillkürlich oft fragen musste: ‚Sind das Juden oder Christen?’ -
Noch schlimmer trieb es Herr Dr. Gutmann, Rabbiner zu Hohenems. Er sprach gegen die alten Formen und Satzungen des Judentums und forderte dazu auf, die talmudische Auslegung zu verwerfen, von der die mosaischen Gesetzgebung nur die ewigen Wahrheiten festzuhalten, die Formen zu zerbrechen und die Schalen wegzuwerfen etc. etc. Schöne Rabbinen!"  
 
95
Elise Lewinger (Lieben)
Elise Lewinger (Lieben)
Elise Lewinger (Lieben), Porträt 
 
96
Ely Jacques Kahn Jr.: The New Yorker & Me
Ely Jacques Kahn Jr.: The New Yorker & Me
Ely Jacques Kahn Jr.: The New Yorker & Me 
 
97
Ely Jacques Kahn, um 1945
Ely Jacques Kahn, um 1945
Ely Jacques Kahn, um 1945
Das Bild ist möglicherweise urheberrechtlich geschützt. 
 
98
Erinnerungen an Salomon Sulzer
Von Ludwig August Frankl
Artikel in der 'Allgemeinen Zeitung des Judentums', 15. Januar 1891
Erinnerungen an Salomon Sulzer Von Ludwig August Frankl Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums", 15. Januar 1891
"Erinnerungen an Salomon Sulzer
Von Ludwig August Frankl
Am 17. d. Mts. ist es ein Jahr, daß Salomon Sulzer zur Erde bestattet wurde.
Er war eine Stimme seines Volkes, denn nicht in dem Tempel in Wien allein wurde sie über ein halbes Jahrhundert vernommen, seine 'Zionsgesänge' ertönten in allen jüdischen Gotteshäusern der Erde, in denen sie nicht verhallen werden.
Seine mächtige, durch Kunst vollendete Stimme erschütterte, erhob und entzückte aber auch nicht allein seine Glaubensgenossen. Der Erzbischof und Patriarch von Venedig, der auch als Dichter berühmte Ladislaus Pyrker, unterließ es nicht, wenn er nach Wien kam, Sulzer zu besuchen, um ihn Lieder singen zu hören, namentlich aber die Beethoven'sche 'Allmacht', damit er, nach seiner Äußerung 'zu tiefer Andacht gestimmt werde'. Franz Schubert, der unsterbliche Liederkomponist, veranlaßte ihn, unter anderen Liedern auch den von ihm komponirten 'Wanderer' vorzutragen, was Sulzer auf die Bitte Schubert's dreimal hintereinander wiederholen mußte. 'Jetzt erst', sagte Schubert, 'verstehe ich meine eigene Musik und was ich gefühlt habe, als ich die Worte:
Ich wandre still, bin wenig froh,
Und immer fragt der Seufzer, wo?
betont habe. Franz Liszt, nachdem er an einem Freitag Abend Sulzer im Tempel gehört hatte, kam in seine Wohnung, um ihn zu bitten, ihm echt nationale altjüdische Weisen vorzusingen. 'Man versinkt,' äußerte Liszt, 'in einem Abgrund von Melodien, wenn man diesen Sänger hört.' Nikolaus Lenau, der Dichter, geniale Geiger und intensive Musikkenner, schrieb in einem mir vorliegenden, vom 14. März 1836 datirten Briefe wie folgt: 'Mein Leben ist jetzt ganz kunstbewegt. Fast kein Tag vergeht, der mir nicht irgend einen herrlichen Genuß bringt. So hörte ich heute Abends den Vorsänger der hiesigen Synagoge, Sulzer, der sehr wahrscheinlich die schönste Stimme in Deutschland hat. Meine vom Stuttgarter Hofschauspieler Schmidt komponirten 'Schilflieder' waren mir sehr willkommen für diesen herrlichen Sänger.' Auch die berühmten Sänger der italienischen Hofoper kamen um Sulzer zu hören. Sie suchten ihn in ihrer Bewunderung zu verlocken, sich der Bühne zu widmen. In der ihm eigenen schalkhaft humoristischen Weise erwiderte Sulzer: 'Was möchte Gott dazu sagen?' Aber seine unvergleichlich schöne Stimme war es wohl nicht allein, was die italienischen Sänger bestimmte, ihn für die Bühne zu gewinnen. Sein Vortrag war ein eminent dramatischer. Man verstand ihn, wenn ihn auch ein der Sprache Unkundiger hörte. Seine Phantasie war nicht ohne schauspielerische Begabung. Zorn und Demuth, Andacht und Zerknirschung hallten nicht allein in seinem Gesange wieder, sie spiegelten sich in seinen Gesichtszügen und gaben sich in seiner ganzen Bewegung kund. Man glaubte ihm, daß er selbst immer wieder, wenn er oft Gesungenes wiederholte, in der innersten Seele erschüttert sei. Seine Brust war eine Harfe, durch deren Saiten ein Sturm der Begeisterung brauste. - Auch die regierende Kaiserin Carolina Augusta wünschte ihn zu hören und forderte ihn auf, in einem zum Besten der grauen Spitalsschwestern von ihr patronisirten Konzerte mitzuwirken. Als Sulzer erklärte, es hänge dies von der Erlaubnis seines Synagogen-Vorstandes ab, ließ die Kaiserin an diesen den Wunsch aussprechen. Der unvergessene Erfinder des ersten Tempel-Gottesdienstes in Österreich, der kaiserliche Hofjuwelier M.L. Biedermann, hatte den Muth, den Wunsch der Kaiserin mit der in tiefster Ehrfurcht ausgesprochenen Motivierung abzulehnen, daß es einem im Dienste Gottes stehenden Sänger nicht zieme, auf dem Theater zu erscheinen, doch lege er, um den möglich sich ergebenden Verlust einigermaßen zu ersetzen, 100 Dukaten in Gold für das katholisch geleitete Spital bei. Das war ein Präsident der Gemeinde in Wien vor 80 Jahren, als die Juden in Österreich noch unter mittelalterlichem Drucke lebten.
Die Wirkung der prächtigen volltönenden Bariton-Stimme Salamon Sulzer's war aber nicht allein eine phonetische, sie wurde durch seine persönliche Erscheinung sympathisch unterstützt. Mittelgroßer und schlanker Gestalt, war sein ausdrucksvoller Kopf von schwarzen Haaren, die auf die Schultern fielen, umwallt, und seine unruhigen dunklen Augen leuchteten. Wenn er am Versöhnungstage mit weißem Gewande angethan , sang, mahnte er an den Hohenpriester im Tempel zu Jerusalem, und wieder, wenn er am Erinnerungstage des Falles der heiligen Stadt Jehovas auf den Stufen der Bundeslade sitzend die Trauerlieder gesenkten Hauptes klagend vortrug, schien er selbst der Prophet zu sein, der auf den Ruinen trauerte. Am mächtigsten aber war sein Gesang, wenn er an offenen Gräbern sang. Er zerschmetterte die Seelen der Trauernden; dabei erhob er bebend die Hände und blickte, wie den Himmel anklagend, empor. Sein Beten war ein Weinen, ein herzzerreißender Jammer, der künstlerisch mächtig, aber nicht Trost und Versöhnung bringend war. Es kam vor, daß anwesende um den Todten Trauernde ohnmächtig zusammenstürzten.
Es lebte etwas vom Schauspieler in ihm. Im gesellschaftlichen Leben war er stets zu heiterem Gespräch aufgelegt, selbst voll Humor, seine Witze wurden fliegende Worte. Er liebte im außerdienstlichen Leben keine ceremonialen Gebräuche. Der Kaiser von Österreich und der Sultan von Konstantinopel schmückten ihn mit ihren Orden. Seine noch im Greisenalter lebhafte Erwartung, zum Ritter geschlagen zu werden, ging nicht in Erfüllung. Vielleicht war die zu lebhafte Betheiligung Sulzers an der Revolution des Jahres 1848 schuld daran.

Von meiner behufs der Gründnung einer Schule unternommenen Reise nach Jerusalem im Jahre 1856 zurückgekehrt, brachte ich dem von mir stets bewunderten, verehrten Freunde und langjährigen Hausgenossen, weil der den Wunsch darnach geäußert hatte, Erde aus dem Thale Josafat mit. 'Sie wird mir,' sagte er lächlend, 'unter meinen Kopf gelegt, das Auferstehen leichter machen.' Zugleich mit der Erde brachte ich ihm einen Kranz von getrockneten Blumen mit, die auf den Gräbern der Könige und Dichter geblüht haben, und begleitete sich mit folgenden Distichen:
Aus den Land, wo Zions heilige Sänger gesungen,
Von meiner Pilgerfahrt bring' ich die Blumen ins Haus;
Eingerahmt vom Aste des Ölbaums sind sie verwelkt schon,
Trauernd, weil dem Kranz fehlte das würdige Haupt.
Dir dem modernen Zionssänger, sei er gewidmet,
Und es blühet vielleicht wieder der welkende auf.
Noch einmal, an seinem 82. Geburtstage, richtete ich eine Verse an ihn, welche, wie die voranstehenden, bisher ungedruckt geblieben sind.
Wenn du die 'Allmacht' singst, betont vom unsterblichen Meister,
Welcher lange Jahre bei den Unsterblichen wohnt,
Und wenn des Königs Psalmen von deinen Lippen erklangen,
Schwangen die Herzen sich mit betend zum Himmel empor.
Ruhen werden wir bald, die du begeistert, erhoben,
Deines Namens Klang lebt dann als Echo noch fort.
Mythisch wirft du sein, und uns beneidet die Nachwelt,
Die den Wohlklang gehört, der in der Brust dir gewohnt.

Es war ein kalter Wintermorgen am 17. Januar 1889 (sic!). Die schmale Seitenstettengasse, ehemals Katzensteig genannt, in Wien, füllte sich mit zahllosen Menschen, die des Leichenbegängnisses Sulzers harrten und nur dann auseinander gedrängt werden konnten, wenn immer wieder Männer und Frauen mit kostbaren Kränzen kamen, um sie dem Todten auf den Sarg zu legen. Dieser aber war nicht in der Wohnung aufgebahrt und man sagte mir, daß er im Tempel selbst zur Einsegnung bereit liege. Ich begab mich dahin. Die Säulen und die Bundeslade waren schwarz verhängt. Auf der obersten Stufe zu derselben ruhte der von schwarzem Tuch umhüllte Sarg des Hingeschiedenen, über ihm brannte die ewige Lampe.
Niemand in dem weiten Raume: nur ich mit dem Todten allein. Mich ergriff eine tiefe Rührung, ihn jetzt so still, so verstummt für immer an der Stelle liegen zu sehen, wo er vor der Gemeinde die Thorarolle, diese pergamentene Siegesfahne Israels, ausbreitend hoch erhob und wie im Triumphe sang: 'Das ist die Thora!' Das mächtige Bild stand plötzlich lebendig vor meiner Seele; es hieß mich die Kniee beugen vor dem Sarge, und zu Thränen erschüttert, drückte ich zum Abschied meine Lippen auf denselben.

Vor wenigen Monaten hat der Sohn Sulzers, ein Virtuosen-Cellist und Mitglied des kaiserlichen Operntheaters, den musikalischen Nachlaß seines Vaters veröffentlicht und dessen Biographie in Aussicht gestellt. Die Gemeinde hat ihrem Meistersänger ein weithin sichtbares Grabdenkmal errichten lassen, auf welchem wir nur die Anbringung einer griechischen Lyra für völlig ungeeignet halten, zumal die von einem Palmenzweig zu umwindende Davidsharfe das einzig richtige Symbol auf diesem Grabe gewesen wäre." 
 
99
Erinnerungen an Salomon Sulzer. Von Ludwig August Frankl
Artikel in der 'Allgemeinen Zeitung des Judentums', 15. Januar 1891,
Teil 2
Erinnerungen an Salomon Sulzer. Von Ludwig August Frankl Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums", 15. Januar 1891, Teil 2
Erinnerungen an Salomon Sulzer. Von Ludwig August Frankl
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums", 15. Januar 1891,
Teil 2 
 
100
Ernst Kris / Otto Kurz: Die Legende vom Künstler
Ernst Kris / Otto Kurz: Die Legende vom Künstler
Ernst Kris / Otto Kurz: Die Legende vom Künstler
Suhrkamp Taschenbuch 
 

    «Zurück 1 2 3 4 5 6 ... Vorwärts»


Brought to you by the genalogy team at the Hohenems reunion 2017 http://www.hohenemsgenealogy.at